Wir sind sehr stolz auf unsere Zusammenarbeit, die wir mit LACATON & VASSAL ARCHITECTES, Paris, für den Studienauftrag «Maaglive» führen durften. Leider verpasste unser Projekt nur knapp den Sieg und landete auf dem zweiten Platz. Das Projekt hat eine besondere Strahlkraft und besticht durch die hohen konsequenten und innovativen Nachhaltigkeitsansätze, bei dem der Bestand vollständig erhalten und mit einem Turm sowie einem länglichen Riegel nachverdichtet wird. Es entsteht eine einmalige Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dies trifft – nicht nur im Kontext der aktuellen Klimapolitik – den aktuellen Zeitgeist, verpasste die Realisierung jedoch aufgrund baurechtlicher Hürden.

Unser Projekt fundiert u.a. auf der folgenden Tragwerksstrategie:

– Der Bestand wurde durch die einstige schwere Industrie sehr robust für hohe Nutzlasten bemessen und verfügt heute über entsprechend grosse Restlast-Kapazitäten. Um diese Reserven nutzen zu können, wird das Stützenraster des Bestandes ohne Lastumlenkungen in den Neubau übertragen. Die Traglastreserven des Bestandes sind dabei so gross, dass 2/3 des neuen Gebäudes ohne Verstärkungen auf dem Bestand platziert werden könnten. Nur für das letzte Drittel des Gebäudes sind Fundationsverstärkungen mittels Micropfählen vorgesehen.

– Eingriffe in das Grundwasser fallen sehr minimal aus. Das geringe Zusatzvolumen durch die Pfähle wird durch den Rückbau eines kleines UG-Teiles vollständig kompensiert (äquivalente Gesamtbilanz)

– Die Haupttragstruktur des Gebäudes verfolgt den Ansatz einer strikten Ressourcenschonung in Neubau und Bestand durch konsequente Leichtbauweise mittels Realisierung von Stahl-Flachdecken in Kombination mit dem Stahl-Beton-Verbund Deckensystem Cofradal. Der Skelettbau bringt eine hohe Nutzungsflexibilität mit sich, der Lastfluss ist stringent, klar und optimiert. Vor allem werden durch die Gewichtsoptimierung des Neubaus die Bestandesbauten nur geringfügig zusätzlich beansprucht, sodass bauliche Veränderungen im Unterschoss auf ein überschaubares Minimum reduziert werden konnten. Die komplette Vorfertigung ermöglicht zudem extrem hohe Baugeschwindigkeiten, eine kontrollierte Qualität sowie eine Entlastung der innerstädtischen hoch aktiven Zonen durch Just-in-Time Montagen.

– Die Tragwerksstrategie mit Erhalt des Bestandes – speziell der Untergeschosse – würde dazu beitragen, bis zu 5’000 Tonnen CO2 einzusparen, was einer Reduktion je nach Szenario von bis zu 19% bis 31% entspricht.

– Die Verstärkung ausgewählter Stützen im UG erfolgt durch Umbetonieren, ideal koordiniert und kombiniert mit der Sanierung der Einstellhalle (Tauglichmachung für die nächste Nutzungsperiode, Chloridentfernung, Parkdeckbelag etc.).

– Das längliche Gebäude kommt gänzlich ausserhalb des Bestands zu liegen, was die Schnittstelle von Alt und Neu stark vereinfacht. Die Auskragung über das Bestandesgebäude hinaus wird über angeordnete V-Streben ermöglicht.

– Die Haupttragstruktur des Daches der Tonhalle würden ebenfalls vollständig erhalten. Durch die Applikation einer zusätzlich aufgebrachten und im Verbund wirkenden Stahlbetonplatte, also die Entwicklung eines Stahlträgers zu einem Stahl-Verbund-Träger hin, können die grossen Zusatzbeanspruchungen durch die Dachbegrünung effizient ermöglicht werden.

– Durch die sorgfältige Analyse des Bestandes kann dieser erhalten und mit sehr reduzierten Massnahmen weiteren Nutzungen überführt werden, z.B. den Gewächshäusern auf den Dächern der Maaghalle.

Veranstalter / Bauherr: Swiss Prime Site Immobilien AG, Zürich
Architekt:
Locaton & Vassal Architectes, Paris
Landschaftsarchitektur: Cyrille Marlin, Pau
Bauingenieurwesen: Dr. Deuring + Oehninger AG, Winterthur
Akustik: Gui Jordan, Montpellier
Umweltingenieur: Atmos Lab, London