2. Rang Studienauftrag Arealentwicklung OPO Oeschger AG, Kloten
Der Projektvorschlag von Graf Biscioni Architekten AG und Dr. Deuring + Oehninger Bauingenieure verfolgt die Arealentwicklung der OPO Oeschger AG konsequent aus dem Bestand heraus. Ausgangspunkt bildet die präzise Analyse der bestehenden Stahlbetonskelettbauten aus den Jahren 1972 und 2005 mit Flachdecken und einem Stützenraster von rund 9 × 9 m, deren Tragreserven stark begrenzt sind.
Der Entwurf versteht diese strukturellen Grenzen nicht als Einschränkung, sondern als entwurfsprägendes Prinzip. Anstelle pauschaler Aufstockungsansätze setzt das Projekt auf gezielte Eingriffe, Etappierbarkeit und früh integrierte Ertüchtigungsmassnahmen.
Architektur und Tragwerksplanung wurden dabei von Beginn weg gemeinsam entwickelt und eng aufeinander abgestimmt.
Auch Defizite hinsichtlich Brandwiderstand und Erdbebensicherheit sowie die hydrogeologischen Randbedingungen im Gewässerschutzbereich Au flossen direkt in den Projektansatz ein.
Der Vorschlag versteht die Arealentwicklung als realistischen, langfristig tragfähigen Transformationsprozess, bei dem architektonische Idee und statische Machbarkeit eine untrennbare Einheit bilden.
Das Tragwerk der vorgesehenen Erweiterungen ist als konsequente Weiterführung des bestehenden konstruktiven Systems gedacht. Grundlage bildet das vorhandene Stahlbetonskelett mit Flachdecken und regelmässigem Stützenraster, das als strukturierendes Ordnungsprinzip übernommen und weiterentwickelt wird. Damit wird das Tragwerk der Erweiterung nicht als losgelöstes Zusatzsystem verstanden, sondern als Bestandteil einer strukturellen Gesamtstrategie, die auf Machbarkeit, Robustheit und phasenweise Realisierung ausgerichtet ist.
Für den Logistikbereich sind schlanke Stahlbeton‑Verbunddecken (SBV) mit einem Stützenraster von 7.85 × 8.40 m beziehungsweise 15.70 × 8.40 m vorgesehen. Diese Decken erfüllen die hohen Nutzungsanforderungen hinsichtlich Tragfähigkeit und ermöglichen gleichzeitig eine schlanke Konstruktion mit geringer Bauhöhe. Dadurch wird eine effiziente Materialausnutzung erreicht.
Der Bürotrakt ist als Stahl‑Holz‑Beton‑Hybridbau konzipiert. Dabei liegen Holz‑Beton‑Verbunddecken auf Stahlträgern auf, welche die gesamte Breite des Bürotraktes überspannen und so eine hohe Flexibilität in der Nutzung ermöglichen. Entlang der Fassade wird ein Stahlfachwerk ausgebildet, das die Lasten aus den Obergeschossen zu den Betonwandscheiben im Erdgeschoss ableitet. Der Fachwerkträger nutzt die vorhandene Raumhöhe, um die grossen Spannweiten über den Lastwagenzufahrten zu überbrücken.
Erforderliche Ertüchtigungsmassnahmen an Decken, Stützen und – falls notwendig – an nachgeordneten Tragelementen werden nicht nachträglich umgesetzt, sondern von Beginn an integraler Bestandteil des Projektansatzes. Sie werden dabei mit den architektonischen Eingriffen abgestimmt.
Auftraggeber: OPO Oeschger AG, Kloten
Generalplanung und Architekt:in: Graf Biscioni Architekten AG, Winterthur
Bauingenieur:in: Dr. Deuring + Oehninger AG, Winterthur















